Angela Schröck Architektin AugsburgDipl. Ing. (FH) Angela Schröck
    Architektin & Immobilienbewertung
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    Bewertung15. Januar 2024

    Maklerpreis vs. tatsächlicher Marktwert – worauf kommt es an?

    Wenn Sie eine Immobilie verkaufen oder kaufen möchten, werden Sie früher oder später mit verschiedenen Preisangaben konfrontiert: dem Maklerpreis, dem Angebotspreis, dem Marktwert und dem Verkehrswert. Aber was bedeuten diese Begriffe genau – und worauf sollten Sie achten?

    Was ist der Maklerpreis?

    Der sogenannte „Maklerpreis" ist der Preis, den ein Immobilienmakler für ein Objekt ansetzt. Dieser Preis basiert häufig auf der Erfahrung des Maklers, Vergleichsobjekten und nicht zuletzt auf den Erwartungen des Verkäufers.

    Wichtig zu wissen: Ein Makler hat ein wirtschaftliches Interesse daran, einen Auftrag zu erhalten. Manchmal werden Preise daher optimistisch angesetzt, um den Verkäufer zu überzeugen. Das bedeutet nicht, dass der Preis unrealistisch sein muss – aber er ist keine neutrale Einschätzung.

    Was ist der tatsächliche Marktwert?

    Der Marktwert (auch Verkehrswert genannt) ist der Preis, der am Bewertungsstichtag im gewöhnlichen Geschäftsverkehr am wahrscheinlichsten erzielt werden würde. Diese Definition stammt aus dem Baugesetzbuch (§ 194 BauGB) und ist die Grundlage für professionelle Wertgutachten.

    Ein unabhängiger Sachverständiger ermittelt den Marktwert nach anerkannten Verfahren:

    • Vergleichswertverfahren: Basiert auf tatsächlich erzielten Preisen vergleichbarer Objekte
    • Ertragswertverfahren: Relevant bei vermieteten Immobilien, basiert auf den erzielbaren Mieteinnahmen
    • Sachwertverfahren: Bewertet den Substanzwert (Grundstück + Gebäude)

    Warum können Maklerpreis und Marktwert abweichen?

    Es gibt mehrere Gründe, warum die Einschätzung eines Maklers vom tatsächlichen Marktwert abweichen kann:

    • Erwartungshaltung des Verkäufers: Viele Verkäufer haben eine emotionale Bindung an ihre Immobilie und schätzen den Wert höher ein
    • Marktkenntnis: Nicht jeder Makler kennt alle Mikro-Lagen und deren aktuelle Entwicklung gleich gut
    • Fehlende Datengrundlage: Ohne Zugang zu Kaufpreissammlungen oder Gutachterausschüssen fehlt oft die Basis für präzise Vergleiche
    • Akquisestrategie: Ein zu niedrig angesetzter Preis mindert die Chance auf den Maklerauftrag

    Wann sollten Sie ein unabhängiges Gutachten einholen?

    Ein professionelles Wertgutachten lohnt sich insbesondere in folgenden Situationen:

    • Bei Erbauseinandersetzungen, um einen fairen Wert für alle Beteiligten festzustellen
    • Im Rahmen einer Scheidung zur Aufteilung des Vermögens
    • Wenn Sie unsicher sind, ob ein Angebotspreis angemessen ist
    • Bei Banken oder Finanzämtern, die einen Nachweis verlangen
    • Wenn Sie als Käufer eine neutrale Zweitmeinung wünschen

    Fazit: Vertrauen ist gut, Prüfung ist besser

    Ein Maklerpreis kann ein guter erster Anhaltspunkt sein – aber er ersetzt keine fundierte Bewertung. Wenn Sie Klarheit über den tatsächlichen Wert einer Immobilie benötigen, ist ein unabhängiges Gutachten die sicherste Grundlage für Ihre Entscheidung.

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